Geboren
am 30 12. 1965 in Flensburg. Eben dort die Falkenberg-Grundschule
und das
Alte Gymnasium besucht und während einer Vorstellung
von „Samson und Dalila“ bei einem Besuch in der
Maske sein Herz an das Theater verloren. Mit vierzehn angefangen,
in den Werkstätten des Landestheaters zu pinseln und
zu sägen mit dem Ziel, Bühnenbildner zu werden.
Mit sechzehn Gründung eines Marionettentheaters, und „Faust“, „Zauberflöte“ und „Fledermaus“ auf
die Bühne gebracht. 1983 von Komponist und Musiklehrer
Joachim Marx zum ‚Regisseur‘ ernannt. Erste Produktion:
Die Kinderoper „Wittkopp“ auf dem Domplatz zu
Braunschweig nach einem Libretto von Margarete Rettich.
1984 Abitur und zwanzig
Monate Zivildienst im Universitätsklinikum
Eppendorf auf der Neurologischen Intensivstation. An der
Bühnenbildklasse der HdK abgelehnt, daraufhin Beginn
eines Architekturstudiums an der TU Berlin im Herbst 1985.
Während einer Studienbesichtigung der Beleuchtungsanlage
der Deutschen Oper Berlin an die Tür der Comparserieleitung
geklopft. Am nächsten Morgen erste Probe als Statist
in Hans Neuenfels‘ Neuproduktion von „Rigoletto“.
Mit den Kollegen 1986 Gründung der Truppe „Comparserie& Co“.
Nach einjähriger Probenarbeit Premiere der „Fledermaus“ in
einer Fassung für acht Schauspieler und ein Klavier
im Sommer 1987. In den folgenden Jahren weitere Operettenbearbeitungen
(„Helena“ 1988, „Die Lustige Witwe“ 1989),
diverse Hospitanzen bei Günter Krämer, John Dew
und Richard Jones. Schließlich die erste Uraufführung: „Wir
pfeifen auf den Gurkenkönig“ nach dem Buch von
Christine Nöstlinger und mit der Musik von Danny Ashkenasi
im Hebbeltheater.
1990 erster Kontakt mit
Winfried Radeke und der Neuköllner
Oper. Anläßlich Mozarts „Die Gans von Kairo“ (1991)
erste Zusammenarbeit mit Ulrike Reinhard. Mit der Musik von
Danny Ashkenasi und Ermutigung von Maria Körber entsteht
im Herbst 1991 das erste Originalbuch für das Kammermusical „Hexen“ im
Intimen Theater. Der Erfolg der Bearbeitung der NS-Operette „Hochzeitsnacht
im Paradies“ („Der Spielverderber“ / 1992)
ermutigt nach dem Architekturdiplom 1992 zum freiberufllichen
Regisseursdasein. Erste Stationen: Das Theater Greifswald; „Zarah
47-wollte ihr das totale Lied?“ sowie das Theater am
Kurfüstendamm „Otello darf nicht platzen“.
Mit der Unterstützung der Künstlerförderung
erlebt im Frühjahr 1993 das Musical „No Sex“ auf
der Bühne des KAMA-Theaters in Berlin seine Uraufführung
und macht sich von dort auf den Weg über die deutschen
Stadttheater. Die Geschichte vom schwulen Freddy, der zwei
Stunden verzweifelt um sein Coming-Out kämpft, erweist
sich als überraschend jugendtauglich. Ebenfalls mit
Komponist Niclas Ramdohr entsteht 1994 die Art-Oper „Nero
Kaiserkind“ und wird nach ihrer Uraufführung im
Foyer des Theater des Westens arg kontrovers diskutiert.
Ebenfalls ein Experiment: die erste Zusammenarbeit mit Komponist
Wolfgang Böhmer und den legendären „College
of Hearts“. Das Kammermusical „Lothar, ich liebe
dich! Oder - Vom richtigen Moment, einem Pianisten die Finger
zu brechen“ erlebt im Herbst 1993 seine Freiburger
Uraufführung und wird drei Monate später vom Berliner
Publikum fröhlich in Empfang genommen.
Nächste Station: Das Staatstheater Braunschweig. Intendant
Jürgen Flügge stiftet die produktive Partnerschaft
mit Ausstatterin Claudia Doderer;
die Kurzoperetten „Die Schöne Galathee“ und „Zehn
Mädchen und kein Mann“ von Franz von Suppé machen
1994 den Anfang, „La Finta Giardinera“ (1995)
und „Cosi fan tutte“ (1996) von Mozart werden
folgen.
Parallel dazu immer wieder
glückvolle und erfolgreiche
Textbearbeitungen bzw. Inszenierungen an der Neuköllner
Oper. Der Geist des Hauses paßt zum eigenen Ausprobieren,
Improvisieren und zur Lust, Nachwuchs zu entdecken. Der Ausgrabung
von E.T.A. Hoffmanns großer romantischer Oper „Aurora“ folgen
die beiden mit neuem Text versehenen Opern „Der bekehrte
Trunkenbold“ von Ritter Gluck sowie „Die Freunde
von Salamanka“ von Franz Schubert und schließlich
1995 gemeinsam mit Jakob Wurster das erste Originalbuch für
die Neuköllner Oper: „Na also-wird doch“ -
die Reise eines mutigen Bonner Abgeordneten durch das hauptstadtunwillige
Berlin mit der Musik von Winfried Radeke.
Anfang 1996 sucht die Neuköllner Oper einen neuen künstlerischen
Leiter für ihr Direktorium. Nach kurzem Zögern
wird gemeinsam mit Hausgründer Winfried Radeke und der
Dramaturgin Ilka Seiffert der Entschluß gefaßt,
die Produktionen und Spieltage der Neuköllner Oper bei
gleichbleibender Subvention zu verdoppeln. Der Ritt über
den Bodensee gelingt nicht zuletzt wegen erfolgreicher und
somit ertragreicher Produktionen wie „Blume von Hawaii“ (1996), „Hexe
Hillary geht in die Oper“ (1997) und der ersten Koproduktion
mit dem Studiengang Musical/ Show: 20 ausverkaufte Vorstellungen
von Gershwins „Lady be Good“ im Hochsommer 1997
markieren den Beginn einer überaus erfolgreichen Zusammenarbeit
mit der HdK Berlin.
Berlin liebt das fleißige selbsternannte „4.
Opernhaus“ der Stadt. Während mit Niclas Ramdohrs
aktuell politischem Musical „Verraten und verkauft“ zum
Thema Stasi und Denunziantentum 1996 die Studiobühne
eingeweiht wird, wird auf der Hauptbühne mit Radekes „Krabat“ (1997)
große Volksoper und mit Frank Schwemmers Bearbeitung
von Natschinskis „Messeschlager Gisela“ (1998)
bös-liebevolle Vergangenheitsbewältigung der anderen
Art ausprobiert: beide Produktionen im Bühnenbild von
Birgit Remus und wie noch oft unter der Musikalischen Leitung
von Hans-Peter Kirchberg.
Adriana Altaras macht ihre erste Inszenierung an der NO,
der noch viele folgen werden. Tillmann Gersch und Robert
Lehmeyer setzen böse und theatralische Glanzlichter.
Bernd Mottls zweite Inszenierung präsentiert Wolfgang
Böhmers erste Arbeit für die NO, deren Titel
in nächster Zeit das Haus prägen wird: „Das
Wunder von Neukölln“. Die Geschichte der Neuköllner
Kassiererin Janine, die mit einem mongoloiden Kind zum
Medienstar avanciert, wird mehr als hundert Mal gespielt,
gastiert u.a. für sechs Wochen auf Kampnagel und kündet
danach in Folgeinszenierungen bis in die Schweiz von Neuköllner
Verhältnissen. Die Presse belohnt den Neuköllner
Ideenreichtum 1997 mit dem BZ- Kulturpreis und 1998 mit
dem Kritikerpreis der Berliner Zeitung, der Senat mit homöophatisch
steigenden Subventionen, die 2000 eine Höhe von 700.000
Euro erreicht haben werden. Armes Theater scheint gutes
Theater zu sein.
Urlaub vom Neuköllner Sparkurs gibt es in diesen Jahren
immer mal wieder, so mit der gemeinsam mit Wolfgang Böhmer
neu erfundenen Offenbach-Operette „Biene Maja“ 1998
in Basel, mit Majakowkis „Wanze“ am Maxim-Gorki-Theater
in Berlin und in Innsbruck mit Humperdincks „Hänsel
und Gretel“ (beide 1999). Ebenfalls hoch willkommen
bei schmalem Neuköllner Salär ist im gleichen Jahr
der mit 10.000 DM dotierte Bölten-Becker-Preis für
Librettisten.
Die Bearbeitung von „Orpheus in der Unterwelt“ für
das Theater am Goetheplatz in Bremen ist für längere
Zeit die letzte Inszenierung eines „Klassikers“.
Der Mut und die künstlerische Überzeugung wachsen,
daß eigene, neue Stoffe ebenso wichtig wie auch „an
der Kasse“ funktionabel sind. Das Jahr 2000 ist das
Jahr der Uraufführungen. Mit Wolfgang Böhmer entstehen „Der
glückliche Prinz“ nach Oscar Wilde und der Sommerhit „SommerNachtTraum“ -
dieser zugegebenermaßen mit kräftiger Unterstützung
Shakespeares. Ganz original ist dafür Niclas Ramdohrs
Idee, mit „4x4“ jeweils vier Komponisten und
Texter wild über kreuz in einem Konzert und einer CD-Produktion
zusammenzuspannen. Das Orchester des Theater des Westens
begeistert sich für diese Idee und erhält trotzdem
während der Hauptprobe in den Räumen der Neuköllner
Oper seine Kündigung. Harte Zeiten für Kultur.
Das inspiriert Niclas Ramohr und Peter Lund flugs dazu, mit
den „Krötzes“ ein weiteres Neuköllner
Fanal in die Welt zu schicken. Die drei Generationen Frauenpower
mit TV- Appeal beerben das „Wunder von Neukölln“ und
taugen in insgesamt fünf Folgen bestens als herzlich-pragmatische
Vertreter neuer sozialer Verarmung.
Entschädigung der anderen Art kommt durch die Hintertür.
Das Kammermusical „Baby Talk“ ist der Beginn
einer überaus glücklichen Zusammenarbeit mit Thomas
Zaufke, und schon bald krabbelt der musikalische Nachwuchs äußerst
lebhaft über Deutschlands Studiobühnen. Der Erfolg
ermutigt zur großen Bühne, und „Cinderella
paßt was nicht“ (2001) sowie „Elternabend“ (2003)
entwickeln sich zu veritablen Blockbustern im Neuköllner
Maßstab.
Die zweite lustvolle Partnerschaft
produziert ebenfalls prächtigen Nachwuchs. Die jährliche Zusammenarbeit
mit dem jeweils 3. Jahrgang des Studiengangs Musical/Show überzeugt
nach anfänglicher Ausgrabungsarbeit wie Rodgers‘ „Boy
from Syracuse“ (1998) und Loessers „How to succeed“ (1999)
alle „Neuköllner“ Komponisten davon, eine
Uraufführung mit den begabten Jungdarstellern zu wagen.
So 2001 Wolfgang Böhmers „Love Bite“, 2003
Niclas Ramdohrs „Panik Sound Club“ und 2005 Thomas
Zaufkes „Erwin Kannes -Trost der Frauen“.
Die politisch höchst brisante Produktion „Assassins“ von
Stephen Sondheim läutet im Jahre 2002 zudem eine neue Ära
ein. Aus lustvoller Partnerschaft wird Ehe. Peter Lund wird
Professor und wechselt als Nachfolger des Studienganggründers
Stanley Walden an die Universität der Künste.
Zum Glück bleibt die Neuköllner Oper als vertrauensvoller
Partner erhalten. Und Ausflüge ins Stadt- und Staatstheater
gibt es mittlerweile auch wieder, mal weniger - „Die
Dreigroschenoper“ in Dresden - mal sehr erfolgreich
- „Die Dollarprinzessin“ in Erfurt (beide 2004).
Vor allem aber die Zusammenarbeit mit dem Theater der Jugend
in Wien unter der Intendanz von Thomas Birkmeir ermöglicht
spannende Uraufführungen: Wolfgang Böhmers „Jumping
Jack“ (2003) und „Herz Los“ (2004) sowie
Niclas Ramdohrs „Elefantenmensch“ (2004), aber
auch das gefeierte Gastspiel von „Cinderella paßt
was nicht“ im Jahre 2004. Dort wird auch 2006 „Der
Gestiefelte Straßenkater“ von Thomas Zaufke das
Licht der Welt erblicken. Und dann geht’s ganz schnell
wieder nach Berlin, wo Bernd Mottl nach „Elternabend“ einen
weiteren Zaufke/Lund an der NO aus der Taufe heben wird: „Held
Müller“ - ein terroristisches Heldeneops aus heutiger
Zeit - garantiert nicht geschmackssicher und definitiv ein
Experiment. Wie alles bisher.
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