Agrippina ist glücklich; soeben hat sie erfahren, dass ihr Gatte Claudius in den Wellen der Meeres den Tod gefunden hat. Sie ist Witwe! Und der Weg zum Thron für ihren Sohn Nero endlich frei. Dummerweise taucht Claudius just bei den Krönungsfeierlichkeiten quicklebendig wieder auf- gerettet von Ottone, den der dankbare Kaiser zu Agrippinas Entsetzten prompt noch zum Thronfolger ernennt.
Aber zum Glück gibt es noch die schöne Poppea, die sowohl von Claudius als auch Ottone begehrt wird. Und wenn der dusselige Nero sich nicht ebenfalls in die schöne Lebedame verliebt hätte, vielleicht wären Mutterns intrigante Pläne sogar aufgegangen.
Drei Stunden währt Händels tragikomische Oper „Agrippina“, und im diesen drei Stunden wird so ziemlich jede niederträchtige Tat begangen, zu der der Mensch fähig ist- und das sind ja bekanntlich nicht wenige. Ein wahrhaft shakespearescher Kosmos von Gefühlen tut sich da auf, und es ist atemberaubend, diesen vitalen Barockfiguren dabei zuzusehen, wie sie ihr eignes Psychogramm entdecken- mit ungebrochener Neugier und ohne jede moralische Wertung. Agrippina darf lügen, hassen und betrügen, und trotzdem wird ihre mit ihrer großen Arie „Pensieri“ einer der berührendsten Opernmomente gewährt. Umgekehrt darf auch die schöne und liebreizende Poppea von ihrer bösen Gegenspielerin lernen und entdeckt bei sich Abgründe, die späteren Opernsoubretten nur mehr sehr begrenzt gestattet werden.
Nein, Händel war ein wacher Kopf. Und der Dirigent dieser Aufführung, Konrad Junghänel, auch. Sechs Wochen erfreulichste und intensivste Zusammenarbeit mit einem bestens aufgelegten Ensemble wurden mit einer Spielserie belohnt, deren Qualität weit über gewohntes Stadttheaterniveau reichte. Diese Produktion wurde auf DVD aufgezeichnet.
Wie man eine Barockoper zu einer unglaublich spannenden Angelegenheit macht, bei der keine Sekunde Langeweile aufkommt und dem Hörer sich der Variantenreichtum barocker Musik spielerisch erschließt, das zeigt Peter Lund mit seiner umjubelten Agrippina-Inszenierung am Saarländischen Staatstheater. Verliebt ins Detail, mit konzentrierter Personenführung, überbordender Fantasie und Kreativität zündet der Berliner ein strahlendes Händelsches Feuerwerk. (Opernnetz.de)
Es ist schon merkwürdig: Die Oper "Agrippina" ist jetzt 299 Jahre alt - aber immer noch wirkt sie frischer und moderner als so manches Musical unserer Tage. Dafür sorgt auch die Regie von Peter Lund…. „Agrippina“ ist eine herrlich frische, musikalisch und szenisch sehr gelungene Wiederbelebung einer Alten Oper, die so alt gar nicht ist.(sr 2)
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