ALICE
 

Alice war allein zuhaus... Nein, so fängt der Kinderbuchklassiker von Lewis Carroll NICHT an - aber allein sind die Helden unserer Kindheit überraschend oft - ob im Struwwelpeter oder bei Hänsel und Gretel. Und die Strafen für unbotmäßiges Verhalten in Abwesenheit Erziehungsberechtigter sind gnadenlos. Tod durch Verbrennen zum Beispiel oder abgeschnittene Finger oder abgeschlagene Köpfe...

Mit: Hartmut Kühn, Lilia Milek, Tobias Müller-Kopp, Linda Naumann, Kerstin Iskra, Bastian Orth

„(...) Die vier Sänger, die Bühnenbildnerin Claudia Doderer und Regisseur Peter Lund erweisen sich dabei als wahre Bühnenzauberer: Die ganze Märchenlandschaft, den verrückten Garten mit den singenden Mäusen, den bellenden Zylindern und den lebenden Teekannen lassen sie auferstehen. Das Publikum sitzt drumherum und staunt und lacht. (...)"
Berliner Kurier

„Der Clou ist die Bühne von Claudia Doderer (sie kreierte auch die märchenklassischen Kostüme): ein raumfüllender, rechteckiger Kasten, weiß, leicht abgeschrägt, mit einigen (schwarzen) Löchern, in die hineinzufallen jeder droht, die jedoch auch zugedeckt werden dürfen; ein überdimensionaler Traum-Tisch, um den die Phantasiefiguren, wachsend und schrumpfend, herumlaufen, auf dem sie tanzen, die Traumtänzer, die sie alle sind, in dem sie sich verstecken können, oder aus dem sie urplötzlich auftauchen können. (...) Phantasievoll, bisweilen phantastisch ist es, wie Lund mit dem löchrigen Tisch arbeitet, wie er die Figuren (zueinander, auseinander) führt. Etwa wenn Alice, die mit Lilia Milek schauspielerisch wie sängerisch ausgesprochen gut besetzt ist, in ein Loch fällt und zwei Meter weiter ein anderer Teil von Alice aus einem anderen Loch wieder auftaucht, während ihr Unterteil (Kerstin Iskra) noch in Loch eins mit den Beinen strampelt. Wenn während einer Foto-Session per Schnappschuß die Gesichter eine andere Stimme erhalten. Wenn Alice beklagt, daß sie ein Buch mit Bildern haben will und das Kaninchen (Hartmut Kühn spielt und singt diese und andere Rollen mit erheiternder Vitalität) sie flugs in einen Rahmen einpasst. Und schließlich, wenn die Königin (exzellent gespielt von Linda Naumann) mittels Puppentrick zur Maus mutiert und mit Alice und dem Raubvogel Dudu eine danse à la baroque (der beste musikalische Einfall) tanzt und singt: ‘Ich bin zu feucht.’ Ja, es gibt viel zu lachen in der Wunderland-Tafelrunde. Und es gibt, man glaubt es kaum, einen bellenden Zylinder, der von seinem ‘Herrchen’ (Tobias Müller-Kopp) vergeblich gezüchtigt wird. Was der Zylinder im Wunderland verloren hat? Nicht fragen, hingehen, selber herausfinden."

 
 
 

Musik von Hanno Siepmann
Libretto von Holger Siemann

 

R: Peter Lund
ML: Hans-Peter Kirchberg
BB+BK: Claudia Doderer

Uraufführung
am 25. Februar 1999
Neuköllner Oper, Berlin