MY FAIR LADY und Berlin –das ist schon eine ganz besondere Liebesgeschichte.
Dass dieses Stück in beiden Teilen der Stadt gleichermaßen identitätsstiftend wirken konnte, sagt eine Menge über die Qualitäten dieses „Musical aller Musicals“. Ebenso ein kapitalistisches Aschenputtelmärchen wie brillant geschriebene Kapitalismuskritik-
und das auch noch auf der endlich wiedereröffneten Bühne des Admiralspalasts.
Diesmal keine neue Textbearbeitung und auch keine mutwillige Modernisierung- dafür ist der Text von George Bernard Shaw einfach zu gut. Dafür genau hingehört und mit brillanten Darstellern auf die Bühne gebracht, von Daniela Thomas liebevoll in die Fünfziger geholt; die letzte Dekade, wo Standesunterschiede noch wirklich was geholfen haben. Und von Jürgen Kirner in raffinierte Perspektivverschiebungen gepackt- denn was ist Elizas Aufstieg anderes als ein ständiger Perspektivwechsel?
Zwischen winzigen Taxis und riesigen Ohrmuscheln tobt gute drei Stunden dieser hochintelligente Kampf der Geschlechter, unterstützt von einem bestens aufgelegten
Solistenensemble und musikalisch auf den Punkt gebracht von Adam Benzwi.
Ihre grandiosen Momente hat die Inszenierung… in den großen Tableaus, den gekonnt choreografierten Massenszenen, beim Pferderennen oder beim Diplomatenball im Buckingham Palace. Wenn sich die Upperclass-Ladies in diesen Choreografien in prächtig ausstaffierte Schaufensterpuppen verwandeln oder die Diplomaten tanzen wie aufgezogene Spielzeugfiguren treibt Lund seine Inszenierung in eine funkelnd überdrehte Künstlichkeit. Es sind Bilder, die entspannt und übermütig mit dem Genre spielen und das Musical aus allen öden Realismusbehauptungen in einen bunten Pop treiben, dass es eine Freude ist. Allein wegen diesen Szenen lohnt die Inszenierung. (TIP)
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