Perlen vor die Säue
eine erotische Offenbachiade
 

Hortense Schneider will nicht aufstehen. Muß sie zum Glück auch nicht. Die gefeierte Disseuse und Offenbachs erklärte Muse und Heldin seiner größten Erfolge wie „Die Schöne Helena“ und „Die Großherzogin von Gerolstein“ hat es nicht nötig, sich zu bewegen. Madame empfängt während der Pariser Weltausstellung sage und schreibe 48 gekrönte Häupter Europas in ihrer Garderobe. Da darf man mit Fug und Recht ein bißchen müde sein.

Das hindert Hortense aber nicht, ein wenig mit dem Publikum zu plaudern. Und wer es von der Gänsemagd in der Provence zur französischen Theatergöttin und damit direkt in die Herzen der Pariser geschafft hat, hat so Einiges zu erzählen. Und weiß Gott nicht nur Theaterklatsch. 

Eine der schillerndsten und, wenn man Zeitzeugen glauben darf, intelligentesten Schauspielerinnen des 19. Jahrhunderts öffnet für anderthalb Stunden ihr Nähkästchen, gibt einige deutliche Lektionen in Sachen gesunden politischen Menschenverstandes, singt aus gegebenem Anlaß ihre schönsten Arien und erklärt, warum sie mit Offenbach nie im Bett war. „Jacques brauchte für eine Arie fünf Minuten. Einmal Beischlaf dauert fünfzehn Minuten. Das wären drei Stücke unsterblicher Musik, die ich der Welt vorenthalten hätte. Wer kann mit so einer Schuld leben? Also - Ich nicht!“ 

mit: Sabine Schwarzlose

 
 
 

von Peter Lund
undNiclas Ramdohr

 

Musik: Jacques Offenbach

R: Peter Lund
ML:Niclas Ramdohr/ Volker Sondershausen

Uraufführung
August 1994
KAMA Theater Berlin