Die Lustige Witwe
 

Als dritte Operettenproduktion der „Comparserie&Co“ ein Werk der „silbernen“ Ära, die 1905 uraufgeführte „Lustige Witwe“. Mit Lehar scheidet sich die Gattung: in das nach wie vor satirische Singspiel eines Künneckes und Bentzkis, und in die verlogene Großgattung Richtung Land des Lächelns. In der „Lustigen Witwe“ sind noch einmal beide Stränge vereint: Politische Satire steht neben den großen Gefühlen, und noch ist nicht entschieden, ob dieser Eskapismus noch komisch oder schon unverantwortlich ist. Die Fassung der „Comparserie& Co“ entscheidet sich für zweiteres: Europa steht kurz vor dem Ersten Weltkrieg, der kleine Balkanstaat Montenegro kämpft mit allen Mitteln um seine Existenz. Mitten im zweiten Finale bricht der Krieg aus, und der jugendliche Liebhaber Camille de Rossillion fehlt im dritten Akt nicht aus dramaturgischer Nachlässigkeit, sonderrn er ist schlicht und einfach gefallen.
Zehn Jahre später findet Hanna Glawari ihren ehemaligen Jugendschwarm Danilo in einer Absteige in Paris wieder. Die Grisetten sind tun nicht so als ob, sondern haben wirklich kein Geld, und mit Hannas Wette geht nicht nur eine falsche Liebe, sondern gleich eine ganze Zivilisation zum Teufel.
Diese Interpretation war dem Verlag und Lehars Erben leider zu gewagt - zweimal durften wir diese Produktion im Foyer des Theater des Westens spielen, dann verschwand sie zwischen Aktenordnern und Rechststreitereien auf Nimmerwiedersehen. Wie die ganze Belle Epoque.

mit: Sabine Schwarzlose, Claus Endisch, Ingo Jander, Peter Lund, Sandra Leupold, Sagitta Scheffler, Meredtih Jones, Matthias Künnecke, Carsten Meyer, Djordje Papke, Andreas Herbst, Marten Schumacher, Silvia Bitschkowski, Phillip Sulzberger

„ Aus dem Kontrast zwischen balkanisch-berlinischen Katastrophenmeldungen und dem lockeren Treiben in Paris erwächst der Inszenierung etwas von der finsteren Komik, mit der die Inszenierungen von Tadeusz Kantor argumentieren.“
Der Tagesspiegel


„ Mit viel Raumphantasie nutzt Peter Lund das Foyer. Der junge Mann entpuppt sich als Regiebegabung. Bravos um Mitternacht!“
BZ

 
 
 

von Franz Lehar

 

R+BB: Peter Lund
ML: Karin Coper Annette Wiegand


Premiere
10. Juni 1989
Foyer des Theater des Westens, Berlin